Retaxierung: Finanzielle Verluste vermeiden

Retaxationen binden Zeit, Geld und Personal.

Als Apothekerinnen oder Apotheker wollt ihr eure Kundschaft optimal versorgen. Doch aufgrund von Retaxierungen müsst ihr die dafür notwendigen Ressourcen anderweitig einsetzen. Das kostet Zeit, Geld und Personal. In manchen Fällen kann die Apotheke sogar in eine finanzielle Schieflage geraten, wenn die Krankenkassen Erstattungen für hochpreisige Medikamente zurückfordern. Deshalb sind schnelle, konsequente und präventive Maßnahmen erforderlich.

img B28 1

Rechtliche Grundlagen und finanzielle Auswirkungen

Krankenkassen haben die Möglichkeit, Rezepte zu retaxieren. Dann fordern sie die für Arzneimittel bereits gezahlten Beträge zum Teil oder vollständig von den Apotheken zurück. Ob und wann sie das tun, liegt in ihrem eigenen Ermessen. Als Gründe führen sie häufig einen falschen Zuzahlungsstatus, unwirtschaftliche Abgaben von Medizinprodukten, nicht eingehaltene Rabattverträge oder bedeutende Formfehler auf dem Rezept an, zum Beispiel eine fehlende Sonder-PZN. Die rechtliche Grundlage für Retaxierungen findet sich in § 130a SGB V. Die genauen Bedingungen, unter denen retaxiert werden darf, sind in § 129 des Rahmenvertrages über die Arzneimittelversorgung (SGB V) festgelegt. Seit Inkrafttreten des Lieferengpass-Gesetzes (ALBVVG) im Sommer 2023 sind Retaxationen nun in bestimmten Fällen verboten, zum Beispiel bei unbedeutenden Formfehlern. Retaxierungen in Zahlen:
  • Mehr als 75 Prozent der Apotheken erhalten ein bis zehn Retaxationen pro Monat.
  • Bei mehr als der Hälfte der Retaxierungen kürzen die Krankenkassen den Rechnungsbetrag.
  • Retax-Rezepte kosten Apotheken durchschnittlich bis zu 300 Euro pro Monat.

Wie könnt ihr Retaxationen vorbeugen?

Wissen ist Macht – und das gilt auch bei Retaxationen. Je besser eure Angestellten wissen, worauf sie bei der Einlösung von Rezepten achten sollten, umso weniger Retaxierungen sind zu erwarten. 

Dafür sind Schulungen ein ideales Format. Und weil sich die Gesetzeslage fortlaufend ändert, solltet ihr diese Schulungen regelmäßig durchführen. Auch ein häufiger Personalwechsel kann erneute Weiterbildungen notwendig machen. Informiert euch bei eurem jeweiligen Landesverband über geeignete Seminare. Möglicherweise gibt es Online-Angebote, die ihr nutzen könnt.

Falls es zur Retaxierung eines Rezepts kommt und ihr dagegen Einspruch erheben wollt, solltet ihr dem Schreiben eine Begründung beilegen. Daraus geht hervor, nach welchen Regelungen ihr das Arzneimittel abgegeben habt und weshalb ihr die Retax als unberechtigt einstuft.

Eine lückenlose Dokumentation aller Prozesse in eurer Apotheke hilft euch dabei, euren Standpunkt zu untermauern und die Chancen auf einen erfolgreichen Widerspruch zu erhöhen. Ihr könnt damit zeigen, dass ihr bei der Einlösung des Rezepts alle Vorschriften eingehalten habt.

Schaut euch jedes Rezept genau an, bevor ihr die verschriebenen Arzneimittel ausgebt. So könnt ihr zahlreiche Gründe für Retaxationen von vornherein abwenden. Das gilt nicht nur für die Papierform, sondern auch für E-Rezepte:

  • Prüft das Rezept auf bedeutende Formfehler, wie eine fehlende Dokumentation oder das Überschreiten der Abgabefrist. In diesem Fall sollte ein neues Rezept von der Arztpraxis ausgestellt werden. 
  • Muss die Verordnung erst durch die Krankenkasse genehmigt werden oder enthält sie nicht verschreibungspflichtige Medikamente? Auch hier ist Vorsicht geboten.
  • Fehlen auf dem E-Rezept die Betriebsstätten- oder Arztnummer, solltet ihr ebenfalls aufpassen, um eine Nullretax zu vermeiden.

Damit ihr an alle Punkte denkt, kann euch eine Checkliste helfen. 

Die automatisierte Prüfung von Rezepten spart Zeit und verringert Fehler, die zur Retaxierung führen können. Daher lohnt sich die Investition in ein effizientes Warenwirtschaftssystem, speziell für Apotheken. Dank dieser Software könnt ihr eure internen Prozesse beschleunigen sowie eure Lagerbestände überwachen und rechtzeitig auf Lieferengpässe reagieren. Das Tool stellt zudem aktuelle Produktinformationen und gesetzliche Regelungen bereit.

Da sich die Systeme in ihrem Funktionsumfang unterscheiden, ist eine Vorabanalyse zu den notwendigen und gewünschten Leistungen empfehlenswert. So könnt ihr das für eure Apotheke optimale Warenwirtschaftssystem auswählen.

Krankenkassen haben eine Vielzahl an Rabattverträgen mit Arzneimittelherstellern geschlossen, um insbesondere Generika zu günstigen Konditionen zu finanzieren.

Bevor ihr ein Rezept einlöst, solltet ihr eventuell bestehende Verträge prüfen. Denn: Rabattierte Arzneimittel sind bevorzugt an Patienten abzugeben. Ist das Medikament nicht vorrätig, müsst ihr es bestellen. Falls es nicht lieferbar ist, könnt ihr das verordnete Arzneimittel oder ein anderes preisgünstiges Präparat ausgeben. Dieses muss in Wirkstoff, Wirkstärke, Packungsgröße und Darreichungsform dem Rabattarzneimittel entsprechen. 

Ein weiterer entscheidender Faktor für die Vermeidung einer Retaxierung ist die interne Kommunikation. Fördert deshalb einen regelmäßigen Austausch untereinander, sodass alle Mitarbeiter auf dem neuesten Stand gesetzlicher Regelungen sind und potenzielle Retax-Fallen vermeiden. 

Seid dabei transparent, authentisch und klar. Hört aktiv zu, beantwortet Fragen und zeigt Verständnis. So profitieren alle von gewonnenen Erkenntnissen im Retax-Prozess.

Bei Aut-idem-Rezepten gelten besondere Regelungen. Ist „aut idem“ vom Arzt angekreuzt, gibt es ein Substitutionsverbot. Dann muss das verordnete Arzneimittel an den Patienten abgegeben werden. Lediglich ein Austausch zwischen Original und Import ist erlaubt.

Hebt ihr die Aut-idem-Regel eigenständig auf, riskiert ihr eine Nullretax durch die Krankenkasse. Nur wenn die Arztpraxis die Änderung gegenzeichnet oder ein neues Rezept ohne Aut-idem-Kreuz ausstellt, dürft ihr das Medikament durch ein vergleichbares ersetzen.    

Mittlerweile gibt es spezielle Versicherungen für Apotheken, die eine Retax-Klausel enthalten. In bestimmten Fällen übernehmen sie dann die Kosten, die an die Krankenkasse zurückgezahlt werden müssen. 

Schaut euch die Versicherungsbedingungen genau an und vergleicht verschiedene Anbieter, um eure Risiken bestmöglich abzudecken. Achtet dabei auch auf die Höhe der Selbstbeteiligung.

Gegen Retaxationen Einspruch einlegen

Prüft eine Retaxation nach Erhalt genauestens, ob sie rechtens ist. Beispielsweise müssen die Krankenkassen ein Rezept innerhalb eines Jahres reklamieren, ansonsten verfällt der Anspruch. Die Einspruchsfrist für eine Retaxation bei der Krankenkasse beträgt drei Monate. Besonders wichtig ist die schriftliche Begründung, warum ihr die Retaxierung ablehnt. Alternativ könnt ihr euren Landesverband bitten, Einspruch für euch einzulegen. Die Krankenkasse muss innerhalb einer vorgegebenen Frist auf den Einspruch reagieren. Tut sie das nicht, erkennt sie den Widerspruch an. Wie aktuelle Zahlen jedoch zeigen, sind diese Aussichten gering: Nur rund ein Drittel der Einsprüche hat Erfolg.
Eine Frau mit weißem Kittel steht in der Offizin einer Apotheke und übergibt einer anderen Frau ein Medikament.

Retax‑sicher einkaufen und verkaufen

Der retax-sichere Einkauf ist einer der Schlüssel zum finanziellen Erfolg einer Apotheke. Eine klare interne Kommunikation, ein effizientes Warenwirtschaftssystem und eine sorgfältige Dokumentation sind hierbei entscheidend. Erfahrt, wie ihr durch einen strategischen Einkauf, die Einhaltung von Rabattverträgen und das Wirtschaftlichkeitsgebot Retaxationen reduzieren könnt.
img B02 03

Retaxationen vermeiden: Tipps für den Apothekenalltag

Durch verschiedene Maßnahmen können Apotheken Retaxationen verhindern. Beispielsweise ist eine systematische Prüfung von Rezepten mit Checklisten im Alltag hilfreich. Zudem solltet ihr eure Apothekensoftware effizient nutzen können. Weitere Tipps, worauf pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte achten sollten, findet ihr hier.

Retaxationen: Ressourcen nutzen

Die Retaxierung für Medizinprodukte in Apotheken ist eine komplexe Angelegenheit und ständigen Änderungen unterworfen. Umso wichtiger ist es, auf dem Laufenden zu bleiben. Die Landesapothekerverbände stellen zahlreiche Informationen beispielsweise auf ihren Websites bereit. Auf dem DAP – DeutschesApothekenPortal findet ihr Retax-Arbeitshilfen mit verschiedenen Schwerpunkten. Fachzeitschriften und -magazine für Apotheken widmen sich ebenfalls regelmäßig der Thematik. Sie informieren über neue Rechtsprechungen, führen Umfragen durch oder geben Antworten auf häufige Fragen.
img B2 4 4 4

Retaxierungen: Ein Überblick

Retaxierungen: Ein Überblick

Retaxationen gehören seit Jahren zum Apothekenalltag dazu. Die Krankenkassen versuchen damit, Kosten einzusparen – zu Lasten der Apothekerinnen und Apotheker. Welche Gründe sie für die Retax von Rezepten anführen und welche Auswirkungen dies für eure Apotheke haben kann, erfahrt ihr hier.

Hochpreisige Arzneimittel verfügbar halten

Als Apothekerinnen und Apotheker seid ihr dafür verantwortlich, eine Reihe teurer Arzneimittel bereitzustellen und zu finanzieren. Um diese Herausforderung leichter zu bewältigen, hat Abacus Medicine eine profitable Lösung bereitgestellt. Mithilfe der MSV3-Schnittstelle könnt ihr auch unsere hochpreisigen Arzneimittel rund um die Uhr bestellen und erhaltet die Lieferung in der Regel am nächsten Werktag. Zudem profitiert ihr von attraktiven Konditionen.

FAQ / Fragen und Antworten zur Retaxierung in Apotheken

Auf welche Rechtsgrundlage stützt sich die Retaxierung von Rezepten?

Retaxierungen haben ihre rechtliche Grundlage in § 130a SGB V. In § 129 des Rahmenvertrages über die Arzneimittelversorgung (SGB V) sind die Bedingungen für Retax-Rezepte verankert. 

Mit dem Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG), das im Sommer 2023 in Kraft trat, sind Retaxierungen nun in bestimmten Fällen verboten. Diese sind in § 129, Absatz 4d festgeschrieben. Nach der neuen Regelung darf beispielsweise die Abgabefrist für Medikamente um drei Tage überschritten werden. Ausgenommen hiervon sind Sonderrezepte wie BtM- oder T-Rezepte.

Die Krankenkassen müssen ein Rezept innerhalb von zwölf Monaten nach Ablauf des Kalendermonats retaxieren, in dem das Arzneimittel in eurer Apotheke ausgegeben wurde. Anschließend habt ihr drei Monate Zeit, um Einspruch gegen die Retaxation bei der Krankenkasse einzulegen. Der Einspruch muss schriftlich erfolgen und eine detaillierte Begründung umfassen. So steigen die Chancen auf Erfolg. Alternativ könnt ihr euren Landesverband bitten, den Einspruch für euch zu übernehmen. 

In der Apotheke habt ihr vielfältige Möglichkeiten, um eure Retax-Quote zu verringern:

  • Euer Personal regelmäßig schulen
  • Rezepte detailliert prüfen
  • Rabattverträge der Krankenkassen beachten
  • Warenwirtschaftssystem einführen
  • Aut-idem-Vorschriften einhalten
  • Prozesse lückenlos dokumentieren
  • Transparent und offen kommunizieren
  • Retax-Versicherung abschließen

Bei euren Landesverbänden sowie in Fachzeitschriften und -portalen für Apotheken findet ihr zahlreiche Informationen und Arbeitshilfen rund um Retaxierungen, aktuelle Regelungen und Beispiele aus der Praxis.