Hochpreiser in Apotheken

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Hochpreiser – Eine Herausforderung mit Chancen

In der Apotheke gibt es eine vielfältige und hohe Anzahl an Medikamenten, die von alltäglichen Arzneimitteln bis hin zu teuren Präparaten (Hochpreiser) reicht. Doch ab wann wird ein Medikament als hochpreisig eingestuft? In diesem Artikel werfen wir einen genauen Blick auf diese pharmazeutische Kategorie mit Beispielen, analysieren ihre Entwicklung und beleuchten die Herausforderungen sowie Chancen, die mit dieser besonderen Gruppe von Arzneimitteln in der Apothekenlandschaft einhergehen.

Ab wann gelten Arzneimittel in einer Apotheke als Hochpreiser?

Als Hochpreiser werden Fertigarzneimittel bezeichnet, deren Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers (ApU) über 1.200 Euro liegt und deren Apothekeneinkaufspreis somit über 1.238,53 Euro beträgt. Diese Grenze wurde festgelegt, da ab diesem Punkt die Deckelung des Großhandelsaufschlags greift und somit alle Hochpreiser-Packungen einen einheitlichen Großhandelsaufschlag von 38,53 Euro haben. Dieser Aufschlag ergibt sich aus zwei Zuschlägen;
  1. Einen prozentualen Zuschlag von maximal 3,15 Prozent je Packung (< 1.200 Euro / Packung) – jedoch maximal 37,80 Euro pro Packung (> 1.200 Euro / Packung),
  2. Ein Festzuschlag von 0,73 Euro pro Packung als Vergütung für die Beschaffung, Bevorratung und Distribution von Arzneimitteln.
Weitere Informationen zur Preisberechnung von Arzneimitteln findet ihr in unserem Artikel „Preisberechnung Arzneimittel“ und wenn ihr Erfahren möchtet, wie viel eure Apotheke an einem Medikament verdient, probiert unsere Verdienstrechner.

Kostenlos. Relevant. Speziell für Apotheken.

Beispiele für Hochpreiser

 
15300771 HYRIMOZ 40 mg/0,8 ml Inj.-Lösung im Fertigpen 6 St
11519047 STELARA 90 mg Injektionslösung i.e. Fertigspritze 1 St
13248026 HUMIRA 40 mg/0,4 ml Injektionslösung im Fertigpen 6 St
15639386 HULIO 40 mg/0,8 ml Injektionslösung im Fertigpen 6 St

Entwicklung der Hochpreiser in der Apotheke

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) für Arzneimittel steigen seit Jahren kontinuierlich an. Zwischen 2018 und 2022 sind die Ausgaben von 38,67 Mrd. Euro auf 48,84 Mrd. Euro gestiegen, was einem Anstieg von 26,30 Prozent innerhalb von fünf Jahren entspricht. Im Vergleich dazu betrugen die Ausgaben im Jahr 2012 lediglich 26,88 Mrd. Euro.

Der rasante Anstieg lässt sich zum Teil durch den zunehmenden Anteil teurer Medikamente erklären. Im Jahr 2003 machten die Ausgaben für hochpreisige Arzneimittel nur drei Prozent der Gesamtausgaben der GKV aus, während dieser Anteil im Jahr 2021 bei etwa 40 Prozent lag. Ähnliche Prozentpunkte bzgl. des Anteils an Hochpreisern sind in vielen Offizin zu beobachten.

Die Herausforderung mit Hochpreisern

Mit zunehmendem Anteil an hochpreisigen Arzneimitteln verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken.

  • Niedrige Margen erschweren die Rentabilität.
  • Vorfinanzierung und Retaxationen erhöhen das Liquiditätsrisiko.
  • Gleichbleibende oder sinkende Packungszahlen trotz steigendem Umsatz.
  • Gefahr von Fehlinterpretationen bei der Abrechnung.

Die Abgabe teurer Medikamente führt zwar zu einem schnellen Umsatzwachstum, gleichzeitig bleibt die Anzahl abgegebener Packungen gleich oder sie sinkt sogar. Es gilt also zu beachten, dass ein Wachstum des Umsatzes nicht automatisch ein Wachstum des Rohertrags bedeutet. 

Laut unserer Umfrage mit 1.127 Apotheken, sind rund 71 % der Ansicht, dass Hochpreiser für Apotheken eine wirtschaftliche Herausforderung darstellen [1].

Die Veränderung der Kennzahlen führt dazu, dass Fehleinschätzungen gemacht werden können. Ihr müsst eure Kennzahlen entsprechend neu anpassen. Vergleicht euch mit Apotheken, die gleich hohe Umsätze mit Hochpreisern erzielen. Dieses Benchmarking hilft euch, die Situation besser einzuschätzen.

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Rohertrag mit Hochpreisern trotz niedriger Marge

Bei Hochpreisern stellt sich also schnell die Frage: Sind sie überhaupt rentabel? Die Antwort: Ja! Obwohl der Rohertrag im Vergleich zum Wareneinsatz abnimmt, sind die absoluten Stückerträge hochpreisiger Arzneimittel attraktiv. Eine Apotheke erzielt einen Rohertrag von etwa zwölf Euro bei einem Arzneimittel mit einem Herstellerabgabepreis von etwa 40 Euro. Bei einem Hochpreiser mit einem Herstellerabgabepreis von 2.000 Euro dagegen beträgt der Rohertrag etwa 108 Euro.

Hierbei gilt zu betonen, dass teure Medikamente geringe Kosten in der Apotheke verursachen, da der Personalaufwand mit 0,5 Prozent der Abgabevorgänge sehr gering ist.

Es gilt hierbei also zu betonen, dass teure Medikamente i. d. R. geringere Kosten in eurer Apotheke verursachen, da der Personalaufwand der Abgabevorgänge geringer ist. Im oben genannten Beispiel müsstet ihr entsprechend zehnmal das Arzneimittel von ca. 40 Euro abgeben, um in etwa auf den gleichen Rohertrag zu gelangen, wie beim hochpreisigen Arzneimittel von etwa 2.000 Euro.

Best Practices bei Hochpreisern

Der Schlüssel zum Erfolg beim Handel mit hochpreisigen Arzneimittel ist die Liquidität. Denn die Versorgung mit teuren Medikamenten stellt für viele Apotheken eine erhebliche finanzielle Belastung dar. In der Regel erhalten sie das Geld vom Rezeptabrechner erst zu einem späteren Zeitpunkt, müssen jedoch die Einkaufsrechnung zeitnah begleichen und somit vorfinanzieren. Die Gewährleistung der Liquidität sollte daher als grundlegende Strategie für jede Apotheke in Betracht gezogen werden.

Darüber hinaus ist es von großer Bedeutung, dass Apotheken klare Prozesse für die Belieferung teurer Rezepte festgelegt haben. Denn wenn es zu Retaxationen oder Abzügen kommt, kann es zu einem erheblichen wirtschaftlichen Schaden führen.

Es sollte nur in Ausnahmefällen vorkommen, dass teure Medikamente auf Lager gehalten werden. Es ist daher empfehlenswert, diese erst zu bestellen, wenn das Rezept vorliegt.

So können unter Umständen auch teure Retouren vermieden werden. Denn diese können bei Hochpreisern ebenfalls hohe Kosten verursachen. Hierbei ist es auch ratsam, die Retourenregelung verschiedener Lieferanten zu vergleichen. Bei uns sind Retouren i. d. R. für euch kostenlos. Ihr könnt unsere Retourenregelung jedoch gerne hier einsehen.

Im Allgemeinen erfordern teure Medikamente eine besondere Verantwortung und Sorgfalt im Umgang mit den Rezepten und der Ware. Dies beginnt bei der Überprüfung der teuren Rezepte und erstreckt sich über die Bestellung (wann und bei wem) sowie die Kontrolle der eingehenden Ware bis hin zur Übergabe an den Patienten. Es ist wichtig, entsprechende Kontrollmechanismen festzulegen und deren Einhaltung durchzusetzen. Hierbei kann es auch hilfreich sein, eine verantwortliche Person für die Versorgung mit Hochpreisern zu benennen.

Fazit

Arzneimittel in einer Apotheke gelten als Hochpreiser, wenn ihr Herstellerabgabepreis über 1.200 Euro liegt und der Apothekeneinkaufspreis mehr als 1.238,53 Euro beträgt. Der Anstieg der Ausgaben für hochpreisige Arzneimittel stellt neue Herausforderungen für Apotheken dar, erfordert jedoch eine Anpassung der Kennzahlen und die Implementierung geeigneter Maßnahmen zur Sicherung des Rohertrags. Trotz der geringen Marge sind hochpreisige Arzneimittel rentabel, da sie hohe absolute Stückerträge erzielen. Es ist wichtig, klare Prozesse für die Belieferung teurer Rezepte festzulegen und die Liquidität zu gewährleisten, um wirtschaftliche Schäden zu vermeiden.

Quellen

[1] AMIRA will’s wissen – Parallelimporte in Kooperation mit Abacus Medicine

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